BÄRlieben

Maxi, der Eisstock-Steuermann

Zwei dicke Freunde gehen jeden Monat auf Entdeckungsreise durch ihre Heimat.

Bärtl Bär ist in der Bärenstadt Grafenau zu Hause, Scher Maxi in der Stadt Hauzenberg.

Beide verbindet ihre Abenteuerlust und vor allem die Liebe zu ihrer Heimat.

Die Geschichten werden monatlich im Grafenauer Stadtmagazin iJA veröffentlicht.

Hier findest du jeweils die aktuelle Abenteuergeschichte der Beiden.

 

 

 

Es war einer dieser sehr kalten, aber wunderbaren Wintertage, als sich Maxi und Bärtl zu einemSpaziergang verabredet hatten. „Laß uns doch eine Runde um den See drehen“ schlug Maxi seinem Freund vor, „vielleicht ist er zugefroren und wir können über das Eis laufen!“ „Au ja, er muss aber eine dicke, feste Eisschicht haben, die mich auch trägt – ich bin nicht der Leichteste!“ antwortete Bärtl lachend und klopfte dem kleinen Freund fröhlich auf die Schulter. Dann machten sich die beiden auf den Weg, über die verschneite Wiese, durch den winterlichen Wald, hinunter zum See.
Eisig glänzte der zugefrorene See in der Wintersonne. Aber was war das? Mitten auf dem Eis hatte sich eine Gruppe von Menschen versammelt, die wie wild Holzstöcke in die Luft wirbelten, um sie dann über die Eisfläche zu schleudern. Befehle wie „do muast her! – ram den weg! – nimm d‘Daubn
mit!“ hallten bis ans Seeufer. „Was machen die da, Bärtl?“ fragte der kleine Maulwurf verwundert seinen großen Freund. „Die Menschen nennen das Eisstockschießen, Maxi. Das ist, wenn es mal wieder richtig kalt und gefroren ist, bei den Menschen seit Generationen ein geselliger und beliebter Wintersport. Ich hab' übrigens auch so einen Eisstock und laß' ihn bei Gelegenheit gerne über die Eisfläche flitzen!“ „Echt? Darf ich das auch einmal ausprobieren?“ „Aber natürlich, gleich morgen früh nehmen wir den Eisstock mit zum See und dann lassen wir ihn sausen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob du den Eisstock überhaupt heben und bewegen kannst, das Gerät ist mächtig schwer, mein kleiner Freund“. Papperlapapp – Bärtl unterschätzt wohl meine enormen Kräfte, dachte der Maulwurf, als beide zurück zu Barts Höhle schlenderten. Maxi war unheimlich stolz, so einen erfahrenen Eisstockbären zum Freund zu haben und konnte den nächsten Morgen kaum noch erwarten.

Bärtl hatte natürlich recht. Es war für Maxi unmöglich, dieses Monster an Eisstock auch nur einen Millimeter zu bewegen. Da half kein Ziehen und Zerren, kein Schieben und auch kein enttäuschtes zorniges Treten mit dem Fuß - der Eisstock war für Bärenkräfte gebaut und nicht für kleine Maulwürfe geeignet. Traurig hockte Maxi auf dem Eisstock, da hatte Bärtl eine Idee. „Hhmm ... Maxi, was hältst Du davon, wenn Du mein Eisstock-Steuermann wirst?“ „Eisstock- Steuermann?“ „Ja, Eisstock-Steuermann – ich schieße den Stock und Du steuerst ihn durch geschickte Gewichtsverlagerung punktgenau ins Ziel!“ Maxis Augen begannen abenteuerlustig zu funkeln und mit einem Satz sprang er vom Eisstock, packte seinen Freund an der Pfote, rief noch, „nimm den Eisstock!“ und dann rannten beide so schnell sie nur konnten runter zum gefrorenen See.

Dort angekommen, hüpfte Maxi wieder auf den Eisstock und klammerte sich am Stiel fest, während Bärtl das ganze Gefährt mit einem kräftigen Schwung mächtig in Fahrt setzte. Huiii ... und schon sausten Maxi und der Eisstock über die Eisfläche auf das Ziel – einen Holzklotz, den die Menschen „Daube“ nennen – zu.

Bärtl war ein guter Eissport-Schütze und Maxi ein hervorragender Steuermann und so war es nicht verwunderlich, dass der Eisstock genau sein Ziel, die Daube, traf. Das hölzerne Ziel war über die Nacht auf der Eisfläche aber so festgefroren, so unbeweglich und unverrückbar, dass Maxi durch den Aufprall in einem hohen Bogen in den Schneehaufen neben der Eisbahn geschleudert wurde und darin verschwand. Bärtl, der die Karambolage von der Abschussstelle aus beobachtet hatte, wollte gerade seinem kleinen Freund zu Hilfe eilen, da bewegte sich der Schneehaufen und ein fröhlich winkender Maxi krabbelte heraus. „Juuhuu – hier bin ich, das macht ja riesig Spaß, Bärtl, das machen wir bitte gleich noch einmal, ja?“ Wäre der Stein, der Bärtl in diesem Augenblick vom Herzen fiel, ein echter gewesen, hätte er wohl die Eisfläche durchschlagen. Erleichtert winkte Bärtl zurück und rief lachend: „Schaut ja aus, als hättest Du jetzt auch eine Winter-Maulwurfhügel-Wohnung“. Und dann machten beide, was gute Freunde halt so machen: Sie lachten und spielten miteinander. Bärtl war Eisstockschütze, Maxi Eisstock-Steuermann und weil die Daube nicht mehr festgefroren war, blieben jetzt unerwartete Flugmanöver aus und der wunderschöne Winter-Eis-Tag verging für die beiden in Windeseile. „Wie im Flug!“ korrigiert mich Maxi gerade lachend.

 

Illustration: Albert Lehner
Erzählt: Manfred Sommer