BÄRlieben

Winter ade - scheiden tut weh ...

Zwei dicke Freunde gehen jeden Monat auf Entdeckungsreise durch ihre Heimat.

Bärtl Bär ist in der Bärenstadt Grafenau zu Hause, Scher Maxi in der Stadt Hauzenberg.

Beide verbindet ihre Abenteuerlust und vor allem die Liebe zu ihrer Heimat.

Die Geschichten werden monatlich im Grafenauer Stadtmagazin iJA veröffentlicht.

Hier findest du jeweils die aktuelle Abenteuergeschichte der Beiden.

 

 

 

Die Nacht über hatte es mächtig geschneit. Eine dicke Schneedecke lag über dem Land, auf den Bergen, der Wiese, über Maxis Maulwurfshügel und dem Eingang zu Bärtls Bärenhöhle. Mit viel Mühe war es Maxi gelungen, sich aus seiner Maulwurfhöhle freizuschaufeln. „Von wegen ‚viel Mühe’ – ich grabe täglich Tunnel um Tunnel, da macht mir so ein Schneeberglein nichts aus!“ lacht Maxi in den Wintermorgen, rutscht den Maulwurfshügel hinunter und stapft Richtung Bärenhöhle durch den Schnee. Manchmal spitzt dabei nur noch seine schwarze Knollennase aus dem weißen Schneemeer.

„Hallo Bärtl, wo bist du?“ ruft Maxi. „Hier!“ antwortet der Bär und das hört sich sehr traurig an. Bärtl hatte den Platz um seinen Höhleneingang freigeschaufelt und steht jetzt ziemlich ratlos und jammernd vor einem großen Schneeberg. „Oh-jeohje … wie furchtbar … alles umsonst!“ klagt der Bär und wischt sich mit der Pfote eine dicke Bärenträne aus dem Auge. „Schau Maxi! Da ist kein Eingang mehr in meine Höhle. Wie soll ich da jetzt nur reinkommen? Dabei würde ich so gerne ein kleines Winter-Nickerchen in meiner gemütlichen Stube machen!“„Das ist dein ganzes Problem?“, wundert sich Maxi über seinen traurigen Freund. „Ja, das ist aber auch ein bärenriesiges Problem!“, schluchzt Bärtl. „Bevor Du jetzt wieder weinst und weiter jammerst – ich habe da eine tolle Idee!“, erwidert Maxi bestimmt, nimmt den verdutzten Bären an die Hand und verkündet:„Bärtl Bär, edler Ritter von der Schneeburg und sein tapferer Geselle, Maxi Scher, Knappe des Maulwurfhügels, befreien den Eingang zur Ritter-burg aus den Fängen des bösen Schneemonsters.Auf in den glorreichen Kampf!“

Gesagt – getan! Maxi und Bärtl graben und schaufeln, modellieren hier einen Turm, dort eine Mauer, ein kleines Schloss und noch einen Turm auf der anderen Seite. Das beste aber ist das Burgtor, der Eingang, der ganz hinten in der Bärenhöhle endet. „Wunderbar, wie schön!“, jubelt Bärtl und verkündet „Bärtl Bär, edler Ritter von der Schneeburg, bedankt sich in ritterlicher Hochachtung bei seinem treuen Gefährten Maxi Scher, Knappe des Maulwurfhügels, für die wundersame Befreiung des Höhleneinganges vom furchtbaren Schneemonster!“ Dann lachen und umarmen sich die Freunde. Über die viele Arbeit aber ist es Abend geworden und mit einem „Gute Nacht Ritter Bärtl!“ und einem „Gute Nacht Knappe Maxi!“ verabschieden sie sich fröhlich, aber müde in ihre Schlafhöhlen.

„Huuhhuuu ... wie schrecklich … alles umsonst …Raubritter haben über Nacht unsere Ritterburg überfallen und zerstört!“, jammert am nächsten Morgen ein völlig verzweifelter Maxi beim Anblick der Burgruine. Die einst so schöne und mächtige Burg – nur noch ein kleines Bächlein, das in der Morgensonne glitzert. Alle Mauern und Türme waren eingebrochen und selbst der stolze Schnee-Wachmann Arktos schmilzt besiegt seinem bitteren Ende entgegen. „Und, was ist dein Problem?“ fragt ein von der Verwüstung offensichtlich völlig unbeeindruckter Bärtl seinen kleinen Freund. „Ja siehst du denn das ganze Ausmaß dieser furchtbaren Zerstörung nicht, du dickpelziger Bär!“, antwortet Maxi verärgert.„Doch, natürlich – aber siehst du denn nicht die wunderbare Morgensonne und spürst du nicht ihre wohlig wärmenden Sonnenstrahlen auf deinem kleinen Maulwurfpelz! Und wenn‘s warm wird, taut der Schnee!“ entgegnet Bärtl. Dann schließt er die Augen, räkelt sich in der Sonne und lächelt genüsslich, als würde er gerade einen riesigen Topf Honig ausschlecken.


Manchmal glaubt man sogar ein kleines Schmatzen zu hören. „Ahh, diese Frühlingssonne, wie ich die nach den kalten Wintertagen liebe. Bald wird es wieder richtig Frühling, Maxi und das ist doch auch eine ganz wunderbare Zeit!“ „Da hast du absolut recht Bärtl, und Sandburgen im Sommer sind tausicher!“ Dann lachen beide und trällern der Frühlingssonne ein
„ ... aber Dein Scheiden macht,
dass jetzt mein Herze lacht. Winter ade …“

fröhlich entgegen.

Illustration: Albert Lehner
Erzählt: Manfred Sommer